Verkehrssimulation zeigt Kapazitätsgrenzen eines Werks-Kreisverkehrs

Automobilhersteller: Kreisverkehr stößt bei steigendem Werksverkehr an seine Grenzen

Software: AnyLogic

Ein Automobilhersteller mit einem Werk in Ungarn nutzt einen Kreisverkehr direkt vor den Werkstoren, über den sowohl der tägliche Mitarbeiterverkehr als auch der Logistikverkehr mit Lastwagen läuft. Weil das Werk mit steigenden Fahrzeugmengen rechnete, wollte der Automobilhersteller vorab wissen, ob der Kreisverkehr diese zusätzliche Belastung noch verträgt.

Ausgangssituation: Ein Kreisverkehr mit mehreren kritischen Stellen

Der Kreisverkehr verbindet mehrere Werkszufahrten und muss deshalb sehr unterschiedliche Verkehrsarten gleichzeitig aufnehmen. Eine Zufahrt führte über eine enge, scharfe Kurve, die Lastwagen nur einspurig befahren konnten, deshalb war unklar, wie gut sich der Schwerlastverkehr dort noch abwickeln lässt. Auch das allgemeine Fahr- und Abbremsverhalten der Fahrzeuge im Kreisverkehr selbst ließ sich ohne belastbare Datenbasis kaum einschätzen.

Weil das Vorhaben zusätzlich einen hohen Abstimmungsaufwand mit den ungarischen Behörden mit sich brachte, mussten Unterlagen zwischen Ungarisch und Deutsch übersetzt werden. Außerdem musste die Bewertung des Verkehrsflusses den ungarischen Qualitätsstufen entsprechen. Der Automobilhersteller entschied sich deshalb für eine Simulation, um die Entscheidung über mögliche Maßnahmen auf eine belastbare Grundlage zu stellen, statt sie allein auf Schätzungen zu stützen.

Zielsetzung: Kapazitätsgrenzen frühzeitig erkennen

Die Simulation sollte folgende Fragen beantworten:

  • Lassen sich die prognostizierten Verkehrsmengen am Kreisverkehr überhaupt bewältigen?
  • Wann entstehen zu Spitzenzeiten Stau und Verzögerungen?
  • Wie lassen sich mögliche Optimierungsmaßnahmen risikofrei prüfen, bevor sie tatsächlich umgesetzt werden?
  • Welche Kennzahlen sichern die Umsetzungsentscheidung ab?

Lösung: Verkehrssimulation mit AnyLogic

SimPlan baute mit AnyLogic ein Simulationsmodell des Kreisverkehrs und der angrenzenden Straßen. In das Modell flossen sowohl der Logistikverkehr durch Lastwagen als auch der Mitarbeiterverkehr ein, weil beide Verkehrsarten den Kreisverkehr gemeinsam nutzen. Weil die scharfe Kurve für den Schwerlastverkehr besonders kritisch war, bildete das Modell auch das Fahr- und Abbremsverhalten der Fahrzeuge im Kreisverkehr detailliert ab.

Auf dieser Basis testete SimPlan, wie sich der Verkehr verhält, wenn das Aufkommen gegenüber dem bestehenden Werksverkehr stufenweise steigt. So ließ sich prüfen, bei welcher Verkehrsmenge der Kreisverkehr noch funktioniert und ab welchem Punkt Störungen auftreten, ohne dass dafür ein realer Testbetrieb nötig war.

Ergebnisse: Klare Kapazitätsgrenze belegt

Die Simulation lieferte konkrete Werte für die Belastbarkeit des Kreisverkehrs:

  • Bis zu einer Steigerung von 40 Prozent gegenüber dem bestehenden Werksverkehr blieb der Verkehr frei fließend.
  • Ab 50 Prozent zusätzlichem Verkehr traten bereits spürbare Rückstaus und Störungen auf.
  • Ab 80 Prozent kam es zu langen Verzögerungen bis hin zum Verkehrszusammenbruch.

Damit zeigte die Simulation, dass der Kreisverkehr allein nicht ausreicht, um eine weitere Erhöhung der LKW-Kapazität aufzufangen. Der Automobilhersteller erhielt dadurch eine belastbare Grundlage für die Entscheidung über weitere Maßnahmen, denn ohne die Simulation hätte er dieses Risiko nur schwer einschätzen können.

Warum Werkszufahrten schnell zum Nadelöhr werden

Der Fall zeigt, wie eng Logistik und Infrastruktur miteinander verknüpft sind. Steigt der Verkehr an einer einzigen Zufahrt, wirkt sich das sofort auf den gesamten Werksverkehr aus, weil Mitarbeiter und Logistik denselben Engpass teilen. Wer solche Kapazitätsgrenzen vorab simuliert, kann Fehlentscheidungen vermeiden und Investitionen gezielt dort einsetzen, wo sie tatsächlich wirken. Das gilt nicht nur für Automobilhersteller, sondern für jeden Produktionsstandort, an dem wachsender Werksverkehr auf eine begrenzte Verkehrsinfrastruktur trifft.

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