Simulation als Entscheidungsgrundlage für die Lackiererei-Planung: Wie viele Karosserieträger braucht Ihre Anlage wirklich?
Bei der Planung einer Lackiererei gehört eine Frage zu den schwierigsten überhaupt: Wie viele Karosserieträger, in der Fachsprache auch Skid genannt, und Gehänge der Elektrohängebahn (EHB) werden tatsächlich benötigt, damit Speicher, Fördertechnik und Nacharbeit reibungslos zusammenspielen? Eine zu geringe Anzahl bremst den Takt. Eine zu hohe Anzahl bindet Kapital und verstopft die Speicherbereiche. Warum sich diese Frage nicht mit einer statischen Berechnung beantworten lässt, zeigt dieser Praxisfall aus der Automobilproduktion.
Ausgangslage: Neuer Layoutstand nach Umbau und Erweiterung
Ein führender deutscher Automobilhersteller plante die Erweiterung und den Umbau seiner Lackiererei. Nach den baulichen Veränderungen musste der neue Layoutstand abgebildet und die Aufteilung auf die verschiedenen Speicherbereiche neu bewertet werden. Bevor die Anlage in den regulären Betrieb ging, stellten sich den Projektverantwortlichen zentrale Fragen: Hält das neue Layout den geplanten Durchsatz? Wie viele Karosserieträger werden tatsächlich benötigt? Und wie wirken sich Nacharbeitsquoten auf den Materialfluss aus?
Drei Herausforderungen, die eine statische Berechnung nicht löst
1. Speicher mit vielen Bereichen: Eine Lackiererei besteht aus mehreren Speicherbereichen, die aufeinander abgestimmt werden müssen. Eine falsche Aufteilung der Kapazitäten bremst den gesamten Materialfluss, oft ohne dass die Ursache auf den ersten Blick erkennbar ist.
2. Karosserieträger und EHB im Zusammenspiel: Zwei unterschiedliche Fördersysteme müssen einen gemeinsamen Takt finden. Wer sie getrennt betrachtet, übersieht die Wechselwirkungen, die den tatsächlichen Durchsatz bestimmen.
3. Schwankende Nacharbeitsquoten: Nacharbeit verändert den Materialfluss unvorhersehbar. Nur eine dynamische Betrachtung über die Zeit zeigt, wie stark sich Nacharbeitsquoten tatsächlich auf Engpässe und Durchsatz auswirken.
Der Simulationsansatz: Das Zusammenspiel aller Systeme im Detail
Mit Plant Simulation und dem Automotive-Bausteinkasten wurde die komplexe Speichersteuerung der Lackiererei im Detail abgebildet, ebenso die Karosserieträger- und EHB-Kreisläufe. Das Modell berücksichtigte variierende Nacharbeitsquoten und ihre Auswirkungen auf den Materialfluss. Die Auswertung der Ergebnisse erfolgte in SimAssist.
Statt einer einzigen Annahme wurden verschiedene Fahrweisen und Speicherstrategien durchgespielt. So ließ sich sichtbar machen, an welchen Stellen Engpässe entstehen und wie viele Karosserieträger für einen stabilen Betrieb erforderlich sind.
Ergebnisse: Planungssicherheit für die neue Lackiererei
- Engpässe wurden aufgezeigt und konnten rechtzeitig beseitigt werden.
- Die geplanten Durchsatzsteigerungen wurden bestätigt.
- Die notwendige Anzahl an Karosserieträgern wurde ermittelt.
- Optimierungspotenziale bei den Fahrweisen wurden aufgezeigt.
- Das Simulationsmodell wird auch für künftige Untersuchungen weiterverwendet.
Das übergeordnete Learning: Lackiererei-Planung braucht dynamische Methoden
Dieser Praxisfall zeigt ein Muster, das in vielen Simulationsprojekten zur Lackiererei wiederkehrt. Bei einem Nutzfahrzeughersteller ging es um die Ermittlung von Engpässen und die Evaluierung eines geplanten Speicherausbaus, inklusive eines Betreibermodells zur Bewertung unterschiedlicher Karossenlängen und Farben. Bei einem weiteren Ausbauprojekt stand die Erweiterung einer bestehenden Lackiererei um eine zusätzliche Linie im Fokus, unter einem engen Zeitplan wegen langer Lieferzeiten für EHB-Gehänge.
Ob Neubau, Umbau oder Erweiterung: Simulationsprojekte bei SimPlan zeigen immer wieder dieselben Fragestellungen.
- Wie viele Karosserieträger und EHB-Gehänge sind wirklich nötig?
- Wie wirken sich Produktionsmix und Nacharbeit auf den Materialfluss aus?
- Reichen die Speicherkapazitäten auch nach einer Erweiterung?
Wer diese Fragen erst nach der Inbetriebnahme beantwortet, zahlt dafür, etwa durch Durchsatzverluste oder nachträgliche Anpassungen an Fördertechnik und Speicherkonzept. Simulation schafft dagegen bereits in der Planungsphase eine belastbare Entscheidungsgrundlage.
Planen Sie ein Lackiererei-Projekt?
Planen Sie den Umbau oder die Erweiterung einer Lackiererei oder möchten die passende Anzahl an Karosserieträgern und EHB-Gehängen bestimmen? Wir unterstützen Sie mit Simulationsstudien zur Absicherung von Speicherkonzepten, Fördertechnik und Durchsatz.
Weitere Fallstudien, Fachbeiträge und Praxisbeispiele finden Sie im SimPlan-Blog und im SimPlan-Podcast.




