Simulation als Entscheidungsgrundlage für die Krankenhausplanung
Drei Klinikstandorte in einem Neubau zusammenzuführen, das St. Elisabethen-Krankenhaus eingeschlossen: Für die Kliniken des Landkreises Lörrach war das eine der größten Bauentscheidungen der jüngeren Geschichte. Rund 2.200 Mitarbeitende, etwa 36.000 stationäre Patienten pro Jahr und am Ende 814 Planbetten plus 8 tagesklinische Plätze mussten in einem gemeinsamen Gebäude untergebracht werden, ohne die Versorgungsqualität zu gefährden und ohne am Bedarf vorbeizuplanen.
Statische Kapazitätsberechnungen liefern für solche Vorhaben eine erste Orientierung. Sie zeigen jedoch schnell ihre Grenzen, wenn Prozesse voneinander abhängen: Wenn Wartezeiten in der Notaufnahme davon abhängen, wie viele Patienten gleichzeitig in den Elektivambulanzen behandelt werden, oder wenn ein einzelner Engpass in der Aufnahme ganze Behandlungsräume ungenutzt lässt. Genau an dieser Stelle setzte die dynamische Simulation an, die SimPlan gemeinsam mit ANDREE CONSULT für das Funktionsgeschoss mit Notaufnahme und Elektivambulanzen aufgebaut hat.
So wurde das Modell aufgebaut
Anstatt mit festen Durchschnittswerten zu rechnen, bildete das Simulationsmodell Patientenpfade, Prozesszeiten und Raumbelegung anhand der realen Grundrisse ab. Kontaktzahlen, medizinische Anforderungen und Sprechstundenzeiten flossen als Minimal-, Maximal- und Zufallsverteilungen ein, nicht als starre Mittelwerte. In regelmäßigen Koordinationsterminen mit den Nutzergruppen aus der Klinik wurden die Annahmen geprüft und verschiedene Szenarien durchgespielt, bevor eine einzige Wand geplant war.
Was die Simulation zeigte
Das Ergebnis richtete sich gegen eine verbreitete Annahme bei Klinikneubauten: dass mehr Fläche automatisch mehr Sicherheit bedeutet.
- Die geplanten Raumkapazitäten deckten den zukünftigen Bedarf vollständig ab und boten sogar Spielraum für spätere Leistungssteigerungen.
- Nicht die Raumkapazität war der eigentliche Engpass, sondern eine personell unterbesetzte Anmeldung.
- Eine zusätzliche befristete Stelle an dieser einen Stelle löste das Problem, ohne dass zusätzliche Behandlungsräume gebaut werden mussten.
Der Geschäftsführer der Kliniken Landkreis Lörrach bringt den Nutzen so auf den Punkt: „Es hat sich bereits vielfach ausgezahlt.“ Die Simulation überwand damit genau die Grenzen, an denen die statische Berechnung stehen geblieben wäre.
Was Kliniksimulation über den Einzelfall hinaus leisten kann
Das Beispiel Lörrach zeigt einen Anwendungsfall von mehreren. Simulation im Gesundheitswesen lässt sich auf praktisch jeden Bereich anwenden, in dem Patienten, Personal und Räume zusammenspielen und in dem eine Fehlentscheidung teuer oder folgenreich wäre.
Neubau- und Umbauplanung
Bevor ein einziger Raum gebaut oder umgewidmet wird, lässt sich am Modell prüfen, ob die geplante Anzahl an Betten, Behandlungsräumen und Personal zum erwarteten Patientenaufkommen passt, wie es auch bei einer Bettenstation eines Universitätsklinikums im süddeutschen Raum der Fall war, bei der eine geplante Zusammenlegung vorab auf ihre Auswirkungen auf Belegung und Personaleinsatz untersucht wurde.
Notfall- und Elektivambulanzen
Wartezeiten, Behandlungsräume und Personaleinsatz lassen sich gegeneinander abwägen, bevor sie im laufenden Betrieb zum Problem werden, so wie im Zentralklinikum Lörrach selbst.
Interne Logistik
Automatisierte Transportsysteme für Essen, Wäsche, Material und Post werden vor der Investition auf ihre tatsächliche Leistungsfähigkeit geprüft. Bei einer Klinik im süddeutschen Raum ergab eine solche Simulation, dass die geplante Anlage aufgrund baulicher Gegebenheiten nicht die erwartete Wirkung erzielt hätte, eine Fehlinvestition, die sich durch die Simulation vermeiden ließ.
Personal- und Ressourcenplanung
Simulationsmodelle machen sichtbar, wie sich Arbeitsbelastung über Schichten und Stationen verteilt, und liefern damit eine belastbare Grundlage für den Personaleinsatz.
Psychiatrische und andere Spezialbereiche
Auch die Auswirkungen unterschiedlicher Einflussfaktoren auf Therapiepläne lassen sich modellieren, etwa wenn sich Behandlungsangebote oder Belegungsstrukturen ändern.
Notfallvorsorge
Szenarien für Epidemien, Großschadensereignisse oder Evakuierungen lassen sich am Modell durchspielen, ohne dass im echten Betrieb ein Risiko entsteht.
Der gemeinsame Nenner dieser Anwendungsfälle: Planungsfehler lassen sich am Modell erkennen, wenn eine Korrektur noch nichts kostet, statt Jahre später im laufenden Klinikbetrieb.





